
Thomas Heilmann ist bekannt als langjähriger Chef von Scholz & Friends – und als Investor: 2010 verkaufte er seine Anteile an Facebook. Seit 100 Tagen ist Heilmann nun für die CDU Berliner Justizsenator. Vorgänger Michael Braun musste nach elf Tagen im Amt gehen, weil er den Verkauf von Schrottimmobilien beurkundet hatte. Wie kommt die Verwandlung vom Werber zum Politiker voran?
Herr Senator, wer hat Ihre Immobilie notariell beurkundet?
Herr Notar Neumann, warum fragen Sie?
Sie sind reich und berühmt – warum mussten Sie da noch unbedingt Justizsenator werden?
Sie haben „schön“ in Ihrer Aufzählung vergessen! Aber selbst reich und berühmt sind mindestens maßlos übertrieben. In der Morgenpost habe ich gerade lesen müssen, dass mich 3/4 der Berliner gar nicht kennen. Und nur für´s Protokoll: Ich musste gar nichts werden, ich bin gefragt worden …
Unternehmer in der Politik, das ist noch nie gut gegangen. Warum sollte es bei Ihnen anders laufen?
Ich gebe mir Mühe. In den ersten 100 Tagen ist es bislang jedenfalls gut gegangen.
Sie wollten Bildung, sie kriegten Justiz. Nach 100 Tagen Erfahrung sammeln: Hat Ihnen die CDU Ihr Amt als Strafarbeit auferlegt?
Das müssen Sie vielleicht die CDU fragen. Falls es – was ich ausdrücklich nicht glaube – so gewesen sein sollte, ist der Plan jedenfalls nicht aufgegangen: Mir macht das Amt nämlich sehr viel Freude.
Ihr ewiger Rivale Sebastian Turner wird demnächst Bürgermeister in Stuttgart und will neben der CDU auch für die Piratenpartei antreten. Machen Sie das irgendwann in Berlin auch so?
Sie irren: Herr Turner ist kein Parteifreund, sondern seit mehr als 25 Jahren ein echter Freund. Echte Freunde sind keine Rivalen. Deshalb und auch aus sämtlichen anderen Gründen strebe ich keine Kandidatur an.
Bitte beziehen Sie Position zu einigen strittigen Fragen dieser Tage: Medienbühne für Breivik oder Prozess hinter verschlossenen Türen?
Natürlich tun die Bilder von Breiviks Selbstinszenierung weh und regen auf. Aber der Rechtsstaat ist stark. Er hält das aus.
Volle Härte gegen Fahrrad-Rowdies oder mehr Fahrradwege?
Beides! Wobei ich eher „Konsequenz“ statt Härte sagen würde.
Die Krawalle am 1. Mai stehen ins Haus: Knallharte Linie gegen Steineschmeißer oder Kuschelpädagogik?
Weder noch: Die Henkel-Linie, die die bisherige Praxis fortschreibt, ist richtig!
Ein großes Problem der vielen Internet-Startups in Berlin: dubiose Abmahnschreiben von dubiosen Anwälten. Was tut der Justizsenator dagegen?
Leider gibt es diese rechtsmissbräuchliche Abzocke. Das kann man dummerweise nur bundesgesetzlich ändern. Dauert also länger, aber wir sind in Gesprächen!
voran? Weiterlesen
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